Norwegen - hurtig aber nicht oberflächlich!

3000 km in sieben Tagen mögen einem hektisch vorkommen - nicht aber wenn man sie mit dem Schiff zurücklegt. Die einstigen Postdampfer der Hurtigruten haben sich -zumindest, was die neueren Schiffe angeht- zu kleinen Kreuzfahrtschiffen gemausert. Damals wie heute verkehren sie fast auf die Minute pünktlich zwischen Kirkenes, dem tristen Vorposten im Eismeer der Barentsee und dem (bei Sonne) lieblichen Bergen.

Auch Ende Mai hält der Winter das norwegische Hochland - aller Klimaerwärmung zum Trotz- immer noch in seinem eisigen Griff. Angesichts der gewaltigen Straßendistanzen bekommen selbst hart gesottene Autofahrer Depressionen. Den Permafrostboden in der Finnmark durchziehen nur wenige Straßen. Das Karibu und der Volksstamm der Samen sind hier seit Jahrtausenden bestens angepasst.
Die ohne Inseln 25 000km lange Atlantikküste zeigt sich um Vardö von ihrer stürmischen Seite. Durch 6 bis 8m hohe Brecher kämpft sich das Schiff bis Honigsvag, das noch nördlicher als Hammerfest liegt. Wie platt gebügelt liegt das Meer dann zwischen den ausgedehnten Schären, deren genaue Zahl auch im Satellitenzeitalter niemand sagen kann. (ca. 150 000)
Beschauliche Hafenszene in Henningsvaer auf den Lofoten. Nur die Sonne fehlt zum perfekten Kalenderblattklischee.

Am Kai der "per Übereinkunft" nördlichsten Stadt Europas ist sogar ein Spielmannszug aufmarschiert. Grund ist aber keineswegs das Anlegen des Schiffes, sondern der Nationalfeiertag der Norweger.

Die generalsanierungsbedürftige Eismeerkathedrale in Tromsö mit ihrem beeindruckenden Altarfenster ist Schauplatz ideenreicher Mitternachtskonzerte. Nach dem Ende der Aufführung ....

erweisen wir gegen 1.30 Uhr(!) auch dem berühmten Polarforscher Roald Amundsen unsere Referenz, der auf einer Rettungsaktion für den abgestürzten italienischen Zeppelinfahrer Umberto Nobile sein Leben ließ.

Früher eine Meisterleistung des Kapitäns heute dank GPS ein Kinderspiel: Die Fahrt in den engen Trollfjord, einem der letzten großen Refugien der Seeadler. Das Loch im Torgatten stammt der Sage nach von einem Speer des Riesen Hestmann. So einfach war Geologie im Wkingerzeitalter.

Kein modernes 3d-Kunstwerk, sondern bares Geld aus dem Meer hängt auf großen Holzgerüsten zur Trocknung: Stockfisch. Einst Arme-Leute-Kost gehen die ständig rückläufigen Fänge heute teuer über den Ladentisch.

Bergen, die regenreichste Stadt Norwegens, zeigt sich bei Sonne von seiner fotogenen Seite. Die alten Häuser am Hafen, werden mit viel Aufwand erhalten . Mitternachtssonne? - Nicht ganz, aber ein Sonnenuntergang, der sich über gut drei Stunden hinzieht. Dass er angesichts der Wetterkapriolen keineswegs zu den Selbstverständlichkeiten gehört, merkte man daran, dass auch das Schiffspersonal zur Knipse griff. Vom Flöyen, dem Hausberg Bergens, blickt man auf die Stadt und die weitläufigen Hafenanlagen, an deren Kais sich die größten Kreuzfahrtschiffe gerne ein Stelldichein geben.