Ägypten - Europas kultureller Urahn

Vielleicht liegt der Reiz Ägyptens in dem unbewussten Wissen, an einen der Orte zurückzukehren, wo der Mensch den Schritt zu allem, was wir heute als Kultur verinnerlicht haben, getan hat - mit allen positiven wie negativen Folgen, die in diesem Land heute ebenso präsent sind wie zu den Zeiten der Pharaonen.

Nur die Götter wissen, wie oft dieses Jahrtausende altes Motiv schon abgelichtet wurde. Der Sphinx vor der Pyramide des Chefren. Die vermutlich einst vergoldete Spitze schickte je nach Sonnenstand die Lichtstrahlen des Re/Aton zig Kilometer weit ins Reich. Kein Ende in Sicht. 72 bekannte Gräber gibt es im Tal der Könige. Unter deutscher Leitung wird seit Anfang 2006 ein weiteres, erst kürzlich entdecktes Grab vorsichtig zurück in die Gegenwart geholt. Strapaziöses aber unverzichtbares Zusatzprogramm jedes Ägyptenreisenden: die beiden Monumental-Tempel Ramses II von Abu Simbel wurden an höherer Stelle in einem gewaltigen "künstlichen Berg" neu aufgebaut und so vor den Fluten des Nasser-Sees für die Nachwelt gerettet.

War der in ptolemäischer Zeit erbaute Tempel von Philae Vorbild für spätere jüdische oder gar urchristliche Kirchenbauten?

Über 3500 Jahre alte, immer noch in leuchtenden Farben erscheinende Wandmalereien zieren das Innere des gewaltigen Stufentempels der Hatschepsut.

Obelisk und erster Pylon der fast einen Kilometer langen Tempelanlage von Luxor im nächtlichen Scheinwerferlicht.

Kollossalstatue Ramses des II. in Memphis. Die "Werbeabteilung" des gottgleichen Herrschers sorgte dafür, dass er bis in die letzten Winkel des Reiches bekannt war. Karnak, ein steinernes Gesamtkunstwerk gegen das die protzig-schlichten Pyramiden primitiv erscheinen mögen. Zum Glück trennen die beiden Pilgerstätten des Welttourismus 700 km.

Im Schatten der pharaonischen Monumente und der neuzeitlichen Skyline Kairos scheint das Leben der einfachen Landbevölkerung immer noch in den selben beschaulichen Bahnen zu verlaufen wie seit jeher.

Experten geben dem Nasser-Stausee nur noch 180 Jahre. Dann ist er mit Nilschlamm aufgefüllt - ein Problem, für dessen Lösung derzeit keinerlei realistische Ansätze existieren..... Geometrische Eleganz und verspielte, fast kitschig wirkende Ornamentik ziehen die Blicke des Besuchers in der Alabastermoschee in Kairo an. Vor wenigen Jahren neu erbaute christliche Kirche in Assuan. Möge in Ägypten der schmerzvolle Spagat zwischen den Religionen gelingen.