Dr. Karl Strehl - Fränkischer Gelehrter, Physiker und Optiker von Weltruf

 

Für alle, die sich mit der Qualität von Optiken, deren Herstellung oder Prüfung beschäftigen, ist der Name Strehl ein Begriff. "Welchen Strehl, hat die Optik?", fragen Insider fachsimpelnd und meinen einen schnöden Zahlenwert, der möglichst nahe an 1 liegen sollte, und wenn dem so ist, nickt man anerkennend, bestätigend,  oder neidisch, ganz je nach dem....oder auch erwartungsvoll, wenn man durch so ein Instrument blickt.

Aber wer war jener Mensch, der die geniale Idee für den so genannten Strehl-Wert hatte. Karl Wilhelm Andreas Strehl wurde am 30. April 1864 in Bayreuth geboren. Nach seinem Studium der Physik und Mathematik in Erlangen und München erhielt er seine erste Anstellung als Assessor 1889 in Augsburg. Nach verschiedenen Lehrorten u.a. in Landau i. d. Pfalz war er 1897 bis 1905 am Gymnasium Erlangen.Dann folgte der Wechsel nach Hof, wo Strehl bis zu seinem Ruhestand 1923 am Jean-Paul-Gymnasium wirkte.  Strehl hatte Kontakt mit den berühmtesten Optikern seiner Zeit, wie Karl Sommerfeld (ZEISS), Ernst Leitz oder Steinheils Nachf.). Dr. Karl Strehl lebte bis zu seinem Tode am 14. Juni 1940 in Hof.

Strehls Hauptwerk war die "Theorie des Fernrohrs auf Grund der Beugung des Lichts" - ein ebenso akribisches  wie mathematisch exaktes und galantes Werk, das seinen Autor als einen Fachmann ausweist, dem die scharfsinnige mathematische Beschreibung physikalischer Vorgänge mit Leichtigkeit von der Hand geht. Strehl war 29 Jahre alt, als er das Manuskript erstellte, das dann 1894 bei Johann Ambrosius Barth in Leipzig, einem der führenden Wissenschaftsverlage dieser Zeit, erschien. Zu jenem Zeitpunkt dürfte ihm wohl kaum klar gewesen sein, dass die darin  formulierten Zusammenhänge und die Bedeutung der" Helligkeit im ersten Beugungsring" ihn auch noch Jahrhunderte später  zu internationaler Bekanntheit verhelfen. 

 

 

 

 

Dr. Karl Strehl 1864 -1940

Der Strehl-Wert, auch "Definitionshelligkeit" genannt,  beschreibt das Verhältnis der Maximalintensität im zentralen Beugungsscheibchen der realen Abbildung eines punktförmigen Objekts zu der Intensität, die man rein theoretisch mit einer perfekten Optik unter den gleichen Bedingungen erreichen kann. Ein Strehl-Wert von 100 Prozent oder 1,0 bedeutet eine absolut fehlerfreie, sozusagen ideale Optik. 

Dass Karl Strehl nicht nur ein hervorragender Mathematiker war, sondern in ihm und seinem Leben jene allgemeine Begeisterung über die Natur und ihre gesetzmäßige Ordnung stets mitschwang, machen seine zahllosen Veröffentlichungen deutlich. Sie zeigen, dass er ein naturwissenschaftlicher Universalgelehrter hohen Ranges  war. Darüber hinaus war er ein begeisterter Musiker und (Hobby?)-Astronom. Rechts ein Auszug aus einem handschriftlichen Manuskript eines Beobachtungsbuches mit Anweisungen für Schüler und Studenten.

Mit großer Wahrscheinlichkeit geht die Errichtung einer Sternwarte auf der damaligen Oberrealschule auf Strehls Wirken zurück. Der Königl.Bayr. Bankangestellte Lamprecht stellte Geld zur Verfügung, um einen Refraktor zu kaufen. Es war dieses Gerät, an dem Strehl seine theoretischen Überlegungen selbst nachprüfte. Das war offenbar kein Problem, denn die Optik des Refraktors stammte aus dem Hause Steinheil und war - eben von beugungsbegrenzter- herausragender Qualität. Bis ins hohe Alter stieg Strehl die Leiter zur Sternwarte hinauf, die hoch über den Dächern Hofs thronte, um seinen astronomischen Interessen nachzugehen. Er war ein ebenso erfahrener wie scharfsichtiger Beobachter, der bereits damals Beiträge über die Farbigkeit der Jupiterbänder verfasste. Das Beobachtungsbuch, in das er, so oft es das Wetter ermöglichte, seine Beobachtungseintragungen machte, wurde in den fünfziger Jahren letztmals gesehen und ist bis heute verschollen.

Im zweiten Weltkrieg wurde die Kuppel der Sternwarte stark beschädigt und daher danach abgerissen. Die Fernrohroptik wurde von amerikanischen Soldaten geplündert, genau genommen nur die Konvexlinse des zweilinsigen FH-Achromaten mit Luftspalt. Die Optik und das Instrument wurden von Dipl.Optiker Herbert Baderschneider (einem Studienkollegen von Paul Ahnert) restauriert und in einem Schuppen an der Wetterstation Hof auf der Hohen Saas untergestellt. Fast 20 Jahre lang gab es dort Himmelsbeobachtungen auf freiem Feld, bis es im Jahr 1971 zur Neugründung der Volkssternwarte Hof durch Dipl.Ing.Max Eichhorn kam. Der Lamprecht-Refraktor war noch über zehn Jahre lang wichtiges Beobachtungsgerät, bis er Mitte der 80er Jahre für eine Restauration zerlegt wurde. Leider fehlten die Gelder, die Arbeiten zu Ende zu führen. So ruht das legendäre Gerät, durch das einst Strehl selbst blickte, weiter in den Schränken.

Man mag nun spekulieren, warum ein so genialer Geist sich nicht seinen Weg in die "etablierte" Wissenschaft bahnte, die ihm - vor allem im Ausland - höchste Anerkennung zollte. Oder warum es ihn nicht zu den großen und namhaften Firmen zog, die den Weltruhm deutscher Optik begründeten. Einige Bemerkungen im untenstehenden Nachruf mögen die eine Erklärung dafür sein. Die andere ist, dass der Wissenschaftler darüber hinaus ein echter Menschenfreund war. Früh gründete er eine Familie, neben fünf leiblichen Kindern nahm er auch noch  fünf  Waisenkinder auf, für die ebenso gesorgt wurde. Wenn man bedenkt, dass dies zu Zeiten geschah, die aus heutiger Sicht alles andere als rosig waren, mag man ermessen, dass der "Mensch Karl Strehl" sein Leben auch als Auftrag sah, der über die wissenschaftlichen und schulischen  Tätigkeiten weit hinaus reichte und das sich an großen humanistischen Werten orientierte.

Ich danke Herrn Andreas Golembiowsky aus Bayreuth für den entscheidenden Anstoß zur Recherche und dem Enkel, Herrn Prof. Dr. Volker Strehl, Institut für Künstliche Intelligenz, Uni-Erlangen-Nürnberg,  für die Unterstützung und Zurverfügungstellung der Quellen aus dem Nachlass der Familie.

Strehl-Ratio und Strehl-Wert im Internet