Okulare selbst gebaut - Teil 2

Vitaminreiches 2"-Okular mit Überraschungseffekt.

Wenn man ohne Drehbank oder sonstige spezielle Hilfsmittel erfolgreich Okulare bauen möchte, muss man auf solches Rohmaterial zurückgreifen, das den beabsichtigten Zweck am besten erfüllt. Die in zahlreichen Supermarktketten angeboten Multivitaminpillen, werden in Plastikfläschchen verpackt, die exakt 2" Außerdurchmesser haben. Sie sind ausreichend stabil, um eine 2"-Okularoptik aufzunehmen.

1. Verwandlung

Die Plastikflasche wird etwa 2cm unterhalb des Halses mit einer Feinsäge abgeschnitten. Dieser Teil ist später "oben" und nimmt die beiden Optiken auf. Um die Stabilität zu erhalten, wird der Boden nicht ebenfalls abgesägt sondern mit einer kleinen Nagelschere etwa 3mm innerhalb des Randes kreisrund ausgeschnitten.

Der Kreisausschnitt dient als Blende und wird zunächst mit 80er , dann 160er Schleifpapier fein geschliffen. Der innentubus wird mit 80er Schleifpapier aufgeraut. So haftet die schwarze Abtönfarbe gut auf der Oberfläche.


2. Linsen-Cocktail

Als Feldlinse kommt ein vierlinsiges , bereits gefasstes achromatisches System aus dem Zoomobjektiv einer Super-8-Kamera zum Einsatz. Die Augenlinse ist der dreilinsige Teil eines ehemaligen Kleinbild-Zoomobjektives. Beide Linsengruppen sind vollvergütet und haben bereits geschwärzte Linsenkanten. Das ist bei Fotooptiken ein üblicher Standard, bei Okularen oft aber ein Luxus, der teuer bezahlt werden muss.


3. Endmontage

Die geringen Durchmessertoleranzen lassen sich einfach mit dünnen, gewickelten und geklebten Papierstreifen und/oder Tesakrepp überbrücken. Passt alles, wird es mit Isolierband befestigt. Das Okular hat eine Austrittspupillenhöhe von 18mm, ist also extrem brillenträgerfreundlich. Das scheinbare Gesichtsfeld beträgt ca. 75 Grad und ist nahezu bis zum Rand scharf und farbrein. Die Brennweite beträgt 30mm.

Durch die Kombination der beiden hochwertigen Linsengruppen wird eine ausgezeichnete Bildfeldebnung wie bei Planokularen erreicht . Den Vergleich mit einem käuflichen WW-Okular gewinnt der Selbstbau in allen Bereichen klar. Überdies wiegt er nur ein Drittel des kommerziellen Okulars und fasst sich bei Kälte angenehmer an.

4. Fazit

Mit sehr geringem Zeit- und Geldaufwand kann man sich ein Okular bauen, für das man gut 100 bis 150 Euro hätte ausgeben müssen und das sich neben seinen kommerziellen "Kollegen" nicht zu verstecken braucht. Gerade große DSO wie die Plejaden, der Orionnebel oder h und chi Persei kommen in diesem Siebenlinser wunderbar zur Geltung.